Freitag, 2. September 2011

stockholm iv, der erste ganze tag ii, vom lokalen palais schönborn bis zum krug

vasa hin (na eben nicht hin!) und vasa her, auch das nordiska museet wollte besucht werden, wie praktisch, daß es quasi gleich um's eck steht. irgendwie ist dieses museum wie ein explodiertes österreichisches volkskundemuseum im schönbornpark. auch hier fallen schilderungen schwer, zu groß ist doch die anzahl der sammlungen. einen höhepunkt stellte jedoch die dem indigenen volk der samen gewidmete sonderausstellung dar. in dieser wird das seit jahrhunderten den samen angetane unrecht, welches im 19. jh in übelstem sozialdarwinismus und und in den 20er jahren des 20. jh in den "lappenuntersuchungen" gipfelte, thematisiert. einen kleinen einblick in die geschichte und das heute der samen gibt eine publikation des schwedischen landwirtschaftsministeriums. weiteres ist auf dieser seite zu finden. eine analoge beschäftigung des .at-staates mit z.b. der geschichte, dem heute und der zukunft der österreichischen roma und sinti, stünde österreich mit seiner mehrfach verfehlten volksgruppenpolitik auch recht gut zu gesicht, nur so am rande erwähnt ...

nach soviel kopfkultur war es nunmehr zeit für bauchkultur und so wurde ein sehr feines restaurant hinter der liljevalchs konsthall besucht. wie bisher zu absolut jeder mahlzeit auch hier fisch, feinster gekochter, sozusagen blauer obwohl natürlich rosa lachs mit erdäpfeln und dille und auch hier gilt: etwas höherer preis aber dafür absolute hohe qualität. nachdem nun wieder essen und flüssigkeit eingefüllt war, konnte es ja weitergehen, nämlich zum eingang des skansen freilichtmuseums (im weiteren sinne des wortes da auch ein zoo dazugehört). da wir jedoch nicht eingeplant hatten, daß das areal dermaßen groß ist, wurde auf einen heutigen (in weiterer folge überhaupt) besuch verzichtet und statt dessen ein naheliegender cache gefunden. nachdem es erst 16:30 war, konnte es jetzt ja noch weitergehen ...

weitergehen ist nicht ganz richtig, denn es wurde weitergefahren, und zwar wieder mit dem hop-on-hop-off schifferl bis zur station "f"-fotografiska. ein museum, das wir selbstredend besuchten. die mapplethorpe sonderausstellung war meine erste mapplethorpe-schau nach ziemlich genau 18 jahren in venedigs palazzo fortuny, btw ein gradioser, ungaublich puffiger palazzo. anläßlich des besuchs dieses museums sollte man unter allen umständen zumindest einen blick in den bereich der bar bzw. des restaurants werfen, eine sensationelle stadtkulisse eröffnet sich hinter den riesigen fenstern. nochmals: unbedingt ansehen! vom fotografiska ging es dann zuerst einmal die geschätzte 30 m geländestufe gen himmel. schließlich wollten wir den freistehenden aufzug namens stadsgardshissen, welcher offensichtlich schon seit jahrzehnten nicht mehr in betrieb ist, auch von oben sehen. dies sollte nicht unser einziger nicht funktionierender aufzug dieses späteren nachmittags bleiben. weiter ging es richtung nordwesten, richtung katarinahissen, wie angekündigt der zweite out-of-order-aufzug des tages. nichtsdestotrotz ein einigermaßen beeindruckendes trum mit einer luftigen zugangsbrücke und schon einigen jährchen, die derzeitige konstruktion hat derer mehr als 75, am buckel, welche mich ob meiner leider noch immer präsenten höhenangst leicht, aber wirklich nur leicht, nervös machte. ach ja, den dazugehörigen cache haben wir natürlich auch gleich mitgenommen.

19:00? langsam zeit für den heimgang! gedacht, getan aber nicht ganz direkt, denn irgendwie hat uns der nichtfund der höhennormalnullmarke am vortag keine ruhe gelassen. also ein leichter heimwegschlenkerer nach links und diesmal dauerte es keine minute bis das doserl gefunden war. keine ahnung warum wir dort gestern nicht gesucht haben, wie so oft :-) jetzt aber flott ins hotel, geduscht und ein abendessenlokal i-nettig gesucht - und auch gefunden.

per ut-bahn ging es von der centralstation drei stationen richtung nordwesten und dann war es nach 200 m da: das tennstopet, ein wahrer glücksgriff, wirklich! wir nahmen im pubteil platz und genossen ein absolut vorbildliches service. ich fischte und fischte madame fischte und innereite und letztendlich wurde noch zweimal gesüßelt. nach dieser nahrungsorgie hilft nur eines: bester aquavit welcher bestens mit dem selbst für mich delikaten bitterbier aus nynesham im süden stockholms harmonierte. eines der besten biere, zumindest für meinen etwas exaltierten nur-nicht-süß-biergeschmack. das tennstopet ist eine stockholmer institution, wie wir später erfuhren und trägt diesen ehrentitel wahrlich zu recht. alles, aber auch wirklich alles paßte aufs beste. selbst der espressomangel, café gab es nur in traditioneller filtercaféform, schlug nicht wirklich auf der debetseite zu buche. manchmal hat man mit derartigen zufallsentscheidungen einfach glück, wir hatten dies nach dem gestrigen abendlokal nunmehr schon zum zweiten mal.

nachdem die mägen gefüllt und die leber gereizt war, beschlossen wird die 2 km heim ins hotelreich per pedes zu erledigen. eine weise entscheidung, sorgte sie doch für eine halbe stunde der postcenaischen bewegung und auch für völkerverständigung zwischen .at und .ee um 22:30 bei der ehemaligen centralstation. noch einen lieben gruß an die estnischen kollegen und dann god natt!

fast hätt' ich es vergessen, im tennstopet findet jeweils am 3. donnerstag im august ein legendäres surströmmingessen statt, wie uns der kellner mit heftig gerümpfter nase auf unsere anfrage hin mitteilte. ganz besonders verwundert war er, daß diese zitat "irre" tradition auch außerhalb schwedens bekannt ist.

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