Freitag, 17. Februar 2012

der freitag, von der eisenbahnfrüh bis zum klosterabend, tag 3 (aber nur knapp) in lusitania

einer us-amerikanergestörten nacht folgte ein frühes aufstehen, wollen wir heute doch nach sintra. also um 07:30 aufgeächzt, das extrem schlauchige badezimmer genutzt (am häusl sitzen war nur in gespreizteoberschenkelposition möglich, wobei eine ecke der badewanne die hälfte des durch die spreizung freigewonnenen raumes einnahm - definitiv kein scherz!), irgendwie nach nachtgrindabspülung ein stockwerk nach unten gestolpert und ebendort ein flottes frühstück eingenommen. gegen 09:00 erreichten wird die estacao de rossio, in seltsam historisierendem stil 1890 fertiggestellter kopfbahnhof der strecke nach sintra. der nächstabfahrende zug ward schnell gefunden, ebenso wie platzgenommen. die fahrt führt runde 30 km durch unendliche vorstädte um schließendlich nach beinahe einer 3/4 stunde am kopfbahnhof von sintra zu enden. eilenden schrittes ging es dann zum palacio nacional de sintra, dem königspalast mit seinen beiden charakteristischen küchenrauchfängen. die rund 2 stündige besichtigung lohnt jedenfalls, allein schon wegen der sala dos brasoes mit ihrem überbordenden azulejo-schmuck. so wandelten wir unter schwanen- und elsterndecken, chinesischen schränken, elfenbeinschnitzereien und baldachinbetten. den abschluß bildete ein kurzer spaziergang im eher spartanisch gehaltenen schloßgarten. allerdings hatten wir von ebendort einen wunderbaren blick auf ein dutzend (12!) arbeiter, die einen wirklich-kleinlaster von seiner baumstammfracht befreiten. ein halbes dutzend volksschulkinder hätten dies in einem drittel der zeit erledigen können. ein weiter blick war auf ein "wunderschönes" hotel zu werfen, zwangsarchitektur vom allerfeinsten.
Hotel Tivoli Sintra, Sintra Fotos
Dieses Foto von Hotel Tivoli Sintra wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

da wir für den nachmittag noch einen besuch im zoo vorhatten, beließen wir es bei der besichtigung des "unteren" palasts und wanderten via museu anjos teixeira zurück zum bahnhof. die exponate des museums sind von exquisiter disproportioniertheit, allerdings fürchte ich, sind sie dies ungewollt, ziemlich grauenhaft. der zugeordnete cache jedoch, liegt bei einem wunderbaren abandoned place.

nach der ankunft am rossio wollten wir gleich mit der azul-linie weiter zum zoo fahren. wollten, da alle zugänge zum azul-geschoß gesperrt waren und mir mein nahezu perfektes passivportugiesisch sagte, daß derzeit eine serviceunterbrechung angesagt sei und diese auch noch längere zeit dauern könne. auf diesen schock brauchten wir gleich einmal je ein heißes supperl sowie kriminalwasser, rotwein und zur sicherheit zwei ginjinhas im naheliegenden "a tendinha". und danach war alles klar: nixda zoo, fahr' ma nach belem. also nix wie in die linha verde und zum cais do sodre. lustig ist die azulejodekoration der u-bahnstation, nämlich monstruös große laufende hasen, die ihr stressigen tun mit "estou atrasado" (=ich bin zu spät dran) rechtfertigen.

da alle abfahrenden schnellbahnzüge in belem halten, ging es auf straßenniveau gleich weiter. und nach wenigen stationen war, nach unterfahren der ponte 25 de abril, auch schon der bahnhof belems erreicht. von dort ging es via cache zum palacio nacional de belem, der bescheidenen residenz des staatspräsidenten und in weiterer folge zum mosteiro dos jeronimos. ebendort hatten wir das mehr denn zweifelhafte vergnügen, den kreuzgang (btw, kein schmarren) gemeinsam mit einer tobenden masse von gänzlich enthirnten und offenbar auch von derartigen lehrern geführten trottelschülern zu besichtigen. diesmal nützte auch ein von mir gebrülltes "silencio" absolut nichts, außer mir die solidaritätskundgebungen zweier älterer damen einzutragen. irgendwie bzw. irgendwann schlichen sich dann aber die crétins und einem weiteren besuch in ruhe stand nichts mehr im wege. aber die manuelinik wird auch einmal zuviel und so verfügten wir uns zu einem neuen ihrer beispiele, der torre de belem, die wir noch eine halbe stunde vor torschluß und daher ohne entsprechender panik erreichten. so, jetzt ging es aber dorthin, weswegen ich überhaupt nach belem wollte (das möge man aber bitte nicht meiner kulturbeflissenen reisegefährtin sagen), der geburtsstätte der pasteis de belem, der gleichnamigen casa, dem olymp des pastel de nata, dem zuckerzeugsparadies par excellence. wie üblich war kein platz zu bekommen und so taten wir es den portugiesen gleich, kauften eine 6er-box, setzten uns in die weitläufigen gartenanlagen und verspeisten je 2 der sozusagen konsolidierten nektar-und-ambrosiagaben unter fruchttragenden orangenbäumen im letzten sonnenschein. irgendwann hieß es dann doch: heim ins hotel, heiß duschen, ein wenig chillen und letztendlich des letzten gang zum ersten gang des abendessens gehen.

frau lilli hat heute die auswahl übernommen und führte uns zielsicher in die cervejaria trindade in der oberstadt (rua nova da trindade 20 c), die nicht umsonst chiado, was übersetzt "quietschen, knarzen" (siehe 28er straßenbahn) bedeutet, heißt. also zumindest wir verursachten kein quietschen, weil wir gingen ja brav zu fuß - keuch ... es wurde klarerweise suppe und bacalhau bestellt und in einer ausgezeichneten qualität geliefert, ebenso war der weißwein ausgezeichnet und auch nachspeise, café und aguardente waren bestens. diesmal kamen wir allerdings nicht mehr ganz so billig davon, schlug sich das abendessen doch mit rd. eur 74,00 nieder. nicht, daß das jetzt überbezahlt gewesen wäre aber im vergleich zu gestern doch eine andere liga - allerdings eine, in der man gerne mitspielt. dies zumal an der bar noch ein delikates guinness serviert wurde. um die angefressenen kalorien nicht zu schnell abzuarbeiten, nutzten wir den elevador de santa justa um wieder die heimatlichen gefilde zu erreichen. nach einem langen tag mit vielen kilometern in den beinen bleibt nur noch ein "boa noite!" zu sagen.

nur noch ganz kurz: diese nacht haben die amis die goschn gehalten :-)

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